DAS GUTE MORGEN widmet sich den Fragen, wie im Saarland Transformation erfolgreich gestaltet werden kann – und was es dazu braucht. Die Kampagne rückt dabei diejenigen in den Fokus, die sich Tag für Tag den Herausforderungen des Strukturwandels stellen: die saarländischen Beschäftigten – vor allem in den Industriebetrieben, aber auch im Dienstleistungssektor.

Hier skizzieren wir zehn Faktoren, die für die erfolgreiche Gestaltung von Transformationsprozessen notwendig sind – formuliert als Thesen, wie wir Zukunft gestalten müssen.

Thesen brauchen Diskurs – deshalb fordern wir Dich auf mitzureden. Gestalten wir Transformation gemeinsam!

#01 Mitbestimmung

DAS GUTE MORGEN ist mitbestimmt

Mitbestimmung im Betrieb oder in der Dienststelle heißt ganz einfach: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben das – in der Betriebsverfassung verankerte – Recht, bei Entscheidungen im Unternehmen mitzureden und mitzugestalten.

Demokratisch gewählte Betriebsräte engagieren sich in den Betrieben im Interesse des Unternehmens – und zwar zum Wohle des Unternehmens, aber eben ausdrücklich auch zum Wohle der Beschäftigten. Zahlreiche Studien u.a. der Hans-Böckler-Stiftung belegen dabei eindeutig:

Mitbestimmung steigert die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.
Mitbestimmung wirkt in Wirtschaft und Gesellschaft:

  • Mitbestimmte Unternehmen agieren innovativer, wirtschaftlich erfolgreicher, nachhaltiger
  • Mitbestimmte Unternehmen fördern Gute Arbeit und sichern Arbeitsplätze
  • Mitbestimmung bildet die Basis für wirtschaftlichen Wandel
  • Mitbestimmung ist demokratisch
  • Mitbestimmung muss angesichts der Herausforderungen der Transformation weiterentwickelt werden

Eine Übersicht über die Chancen, die sich durch mehr betriebliche Mitbestimmung auftun, gibt es auf der Webseite des Mitbestimmungsportals der Hans-Böckler-Stiftung – oder direkt im PDF »Mitbestimmung - das demokratische Gestaltungsprinzip der sozialen Marktwirtschaft.«



Infos & Links zur Reformdiskussion des Betriebsverfassungsgesetzes:


#02 Tarifbindung

DAS GUTE MORGEN ist tarifgebunden

  • weil in tarifgebundenen Unternehmen die Beschäftigten in der Regel bessere Arbeitsbedingungen haben und viel besser bezahlt werden.
  • weil nur eine hohe Tarifbindung vor der Ausbreitung von Niedriglöhnen schützt. Denn nur Tarifbindung setzt Standards, die deutlich über gesetzliche Mindestanforderungen hinausgehen.
  • weil nur allgemeinverbindliche Tarifverträge auch nicht tarifgebundene Unternehmen verpflichten, sich an tarifliche Standards zu halten, etwa beim Gehalt.
  • weil öffentliche Aufträge im Saarland und auch bundesweit nur noch an tariftreue Unternehmen vergeben werden sollen.

Die Bruttomonatsverdienste von Tarifbeschäftigten in Vollzeit liegen im Saarland mehr als 20 % über den Verdiensten von Beschäftigten, die nicht unter die Tarifbindung fallen. Das entspricht einem Vorsprung von fast 800 Euro bzw. 725 Euro bei Fachangestellten. Im Produzierenden Gewerbe ist der Unterschied noch deutlicher: Hier fallen die Verdiente von Tarifbeschäftigten rund 38 % höher aus. Das heißt, die Beschäftigten verdienen rund 1.200 Euro mehr bzw. 1.000 Euro bei Fachangestellten als Arbeitnehmer*innen in Betrieben ohne Tarifbindung. Im Dienstleistungsbereich sind die Unterschiede mit jeweils 13 % bzw. je rund 500 Euro deutlich geringer. Trotz dieser Unterschiede profitieren aber auch nicht tarifgebundene Beschäftigte von Tarifverträgen. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels müssen sich nämlich auch nicht tarifgebundene Betriebe an tariflichen Eingruppierungen orientieren, um im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte nicht ins Hintertreffen zu geraten. Sonst arbeiten die Beschäftigten nämlich in Betrieben, die mehr bezahlen!

Deswegen ist es auch so wichtig, dass Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklärt werden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales kann Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklären lassen – aber nur wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer zustimmen. Das bedeutet, dass die Arbeitsbedingungen und Löhne dieses Tarifvertrags auch für alle bisher nicht tarifgebundenen Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen innerhalb des Geltungsbereichs des Tarifvertrags verbindlich sind. Die Zahl dieser Erklärungen ist in der Vergangenheit kontinuierlich zurückgegangen, hauptsächlich in Folge einer zunehmend restriktiven Haltung der Arbeitgeberverbände. In Deutschland gibt es aber immer noch über 200 allgemeinverbindliche Tarifverträge – einige gelten bundesweit – andere nur in einzelnen Bundesländern.

Welche das sind, findet Ihr hier auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

#03 Sozial

DAS GUTE MORGEN ist sozial

  • weil es »Gute Arbeit« schafft. »Gute Arbeit« bringt die Beschäftigten gesund durch ihr Arbeitsleben. Von »Guter Arbeit« kann man leben und »Gute Arbeit« schafft Armut ab.
  • weil nur ein ausgebauter und solidarischer Sozialstaat vor allgemeinen Lebensrisiken wie Krankheit, Alter, Pflegebedürftigkeit und Arbeitslosigkeit schützt.
  • weil nur ein starker Sozialstaat die Grundlage für eine solidarische, demokratische und sichere Gesellschaft ist.
  • weil nur ein inklusiver Sozialstaat Menschen mit Behinderungen eine voll umfängliche, selbstbestimmte, diskriminierungsfreie und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht.

Die Grundlage für DAS GUTE MORGEN sind Arbeitsplätze nach den Leitlinien Guter Arbeit und ein Sozialstaat, der für soziale Gerechtigkeit und soziale Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger sorgt.

Was heißt GUTE ARBEIT?

Das Konzept »Gute Arbeit« ist ursprünglich von den Gewerkschaften als »Gegenkonzept zur Verhinderung schlechter Arbeitsbedingungen« entwickelt worden. Das Leitbild von Guter Arbeit stellt bis heute das Zukunftskonzept gewerkschaftlicher Arbeit in Deutschland dar.

GUTE ARBEIT zeichnet sich aus Sicht der Beschäftigten vor allem durch folgende Merkmale aus:

  • ein festes und faires Einkommen
  • eine reguläre, unbefristete Stelle
  • berufliche Entwicklungsmöglichkeiten
  • der Erhalt von körperlicher und psychischer Gesundheit
  • die Gleichbehandlung am Arbeitsplatz
  • eine sinnvolle Tätigkeit
  • humane Arbeitszeiten

Mittlerweile haben aber auch Arbeitgeberverbände, Unternehmen, Sozialversicherungsträger sowie Bund und Länder erkannt, welchen direkten Zusammenhang es zwischen guten Arbeitsbedingungen auf der einen und Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft auf der anderen Seite gibt, und haben das Leitbild von "Guter Arbeit" für sich entdeckt. Ein prominentes Beispiel ist die „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ (INQA), die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstützt wird.

Ein Meilenstein im Sinne GUTER ARBEIT war die Einführung und ist die beschlossene Anpassung des gesetzlichen Mindestlohnes auf zwölf Euro pro Stunde ab 1. Oktober 2022. Mit der gesetzlichen Erhöhung, die über die bisherigen Anpassungen im Rahmen der Mindestlohnkommission hinaus geht, ist es möglich, den Mindestlohn armutsfest zu gestalten und den Niedriglohnsektor einzugrenzen.

Mehr zu »Gute Arbeit«

#04 Ökologie

DAS GUTE MORGEN ist ökologisch

  • weil ein sozial gerechtes Leben nur in einer intakten Umwelt gewährleistet werden kann.
  • weil der ökologische Umbau von Gesellschaft und Wirtschaft alternativlos ist. Es geht um eine zukunftsfähige Energie-, Wärme- und Mobilitätswende.
  • weil Güter und Dienstleistungen so erzeugt und erbracht werden sollen, dass dadurch weder Mensch noch Umwelt ausgebeutet werden.
  • weil Umwelt- und Klimaschutz sowie Soziales zusammengehören.
  • weil der ökologische Umbau der Wirtschaft und grüne Technologien große Chancen für neue, gute Arbeitsplätze bieten und damit Wohlstand schaffen.
  • weil sich nur mitbestimmt ein fairer Weg für eine gleichermaßen grünen wie sozialen Deal sichern lässt.

Soziale und wirtschaftliche Entwicklung gelingt nur in einer intakten Umwelt. Die Herausforderungen für das bestehende soziale und wirtschaftliche System werden durch die immensen Auswirkungen durch Klimaänderung, Flächenverbrauch, Biodiversitätsverlust zunehmend größer und bedürfen starker transformativer Kräfte. 

Bezeichnend für diese stehen Energiewende, Mobilitätswende und Ressourcenwende exemplarisch für eine Umkehr bestehender Wirtschaftsstrukturen hin zu mehr Nachhaltigkeit. Insbesondere das Saarland gehört zu den von ökologischer und auch digitaler Transformation am stärksten betroffenen Regionen in Deutschland. Hier trifft in geballter Form struktureller Wandel auf die konjunkturelle Abschwächung. Das Saarland hat aber gleichwohl die Chance, zu den Gewinnern dieser Transformation zu zählen.

Denn die Transformation kann zu einem Beschäftigungsmotor in der Region (und darüber hinaus) werden. Bestehende Industriearbeitsplätze und viele daran angebundene Arbeitsplätze in anderen Branchen bekommen eine Zukunft, neue Wertschöpfungsstrukturen mit zukunftsweisender Beschäftigung entstehen. Zentral ist hier entsprechende Infrastrukturen bereitzustellen. Sei es für Importe von grünem Wasserstoff v.a. für die Stahlindustrie, die Netzinfrastruktur der Verteilnetze im Strombereich oder die Verkehrsinfrastruktur in Form von belastbaren und qualitativ hochwertigen Angeboten in ÖPV und Güterverkehr.

Fundamental ist auch: Ökologische, wirtschaftliche und soziale Fragen müssen zusammengedacht werden. Wenn heute die Beseitigung der systemischen Ursachen von Klimawandel sowie Umweltzerstörung diskutiert wird, müssen grundsätzlichen Fragen darüber gestellt werden, wie wir leben, produzieren und arbeiten wollen. Klar  ist: Wirtschaftliche Wertschöpfung wird weiterhin benötigt, und zwar in dem Sinne, dass die Ressourcen anhand definierter gesellschaftlicher Bedarfe in öffentliche Investitionen und Güter gelenkt und umverteilt werden. Denn Klimawandel und Klimaschutz sind aufs Engste mit Verteilungsfragen verbunden. Die reichsten 10% der Bevölkerung verursachen mehr als die Hälfte des globalen CO2-Ausstoßes und sind gleichzeitig am wenigsten von den Folgen des Klimawandels betroffen. Die Kosten mancher Klimaschutzmaßnahmen sind für viele ärmere Haushalte kaum zu stemmen. Um die ökologische Krise zu bewältigen und dabei den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern, müssen die Verteilungsfragen gemeinsam mit den ökologischen Fragen beantwortet werden!

Hier haben auch unsere Betriebsräte einen klaren Auftrag. Sie sind gefordert, den Wandel auch in Ihren Unternehmen aktiv mitzugestalten. Denn nur mitbestimmt lässt sich ein fairer Weg für eine gleichermaßen grünen wie sozialen Deal sichern.

#05 Innovation

DAS GUTE MORGEN ist innovativ

  • weil der ökologische Umbau und die erfolgreiche Gestaltung von Digitalisierung neue Ideen erfordern – nicht nur im technischen Bereich, sondern auch bei der Organisation und Gestaltung von Arbeit sowie dem sozialen Ausgleich.
  • weil sich in vielfältigen Projekten Arbeitskammer, BEST (Beratungsstelle für sozialverträgliche Technologiegestaltung e.V.) und die Gewerkschaften gemeinsam mit Forschungsinstituten und Hochschulen für interdisziplinäre Ansätze einsetzen und gemeinsam diese Ideen für ein zukunftsfähiges Saarland entwickeln.
  • wenn die Ideen und Kompetenzen der Beschäftigten dabei stärker berücksichtigt werden
  • weil Betriebe mit starker Mitbestimmung innovativer als andere sind. Betriebsräte haben langfristiges Interesse am Standort ihres Betriebs und sind daher ideale Partner für die Mitwirkung an strategischen Entscheidungen.
  • weil soziale und technische Innovationen für die Gestaltung der Transformation Hand in Hand gehen.
    Und Innovationen in Betrieben brauchen starke Mitbestimmung. Unternehmen mit Mitbestimmungen arbeiten häufiger nach der Devise »besser statt billiger«. Sie legen weniger Wert darauf, billiger zu produzieren (die sog. »Kostenführerstrategie«) sondern setzen auf Innovationen und Qualität entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Und das geht nur mit gut ausgebildeten und damit besser bezahlten Fachkräften. Und das bedeutet eine bessere und sichere Zukunft für Unternehmen und ihre Beschäftigten.

    Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) spielt Mitbestimmung eine entscheidende Rolle.

    Künstliche Intelligenz (KI) ist längst im betrieblichen Alltag angekommen. Ob im Büro oder in der Produktion – intelligente Systeme beeinflussen zunehmend den Arbeitsalltag der Beschäftigten und stellen damit besondere Anforderungen an Themen wie Qualifizierung und Bildung, Gesundheitsschutz, Datenschutz und vor allen Dingen die Mitbestimmung. Doch ob der Einsatz von KI auch zur Verbesserung der Arbeitsqualität beiträgt, hängt vor allem davon ab wie und unter welchen Voraussetzungen diese in den Betrieben eingesetzt wird.

    KI muss partizipativ gestaltet werden, damit die Folgewirkungen richtig abgeschätzt werden können und KI sozialverträglich umgesetzt wird. Arbeitnehmer*innen und ihre Interessenvertretungen müssen deshalb frühzeitig mit eingebunden werden, wenn intelligente Systeme in Unternehmen eingesetzt werden sollen. Das Leitmotiv muss »Gute Arbeit by design« heißen. Die Aspekte Guter Arbeit müssen sich demnach bereits in der Ausrichtung von KI-Systemen wiederfinden. Nur so kann auch für Unternehmen der Einsatz von KI nachhaltig sein.


    Ein weiterer Aspekt muss ebenfalls stärker in den Mittelpunkt: Ein wesentlicher Einsatzbereich von KI sind Personalentscheidungen, z. B.  für Bewerberauswahlverfahren, zur Personaleinsatzplanung oder zur Leistungsbewertung. Bei genauerer Betrachtung entpuppen sich viele KI-Systeme aber als reine Black-Box-Modelle, deren genaue Funktionsweise nicht ersichtlich ist, geschweige denn auf Anfrage des Betriebsrats erläutert werden kann. Wir müssen deshalb den Punkt der Transparenz stärker in den Fokus stellen und uns für mehr Erklärbarkeit automatisierter Entscheidungen einsetzen. Speziell die Hersteller solcher Systeme müssen dabei stärker in die Verantwortung genommen werden.


    Mit der der Technologieberatungsstelle BEST e.V., einer Tochter der Arbeitskammer des Saarlandes, stehen wir Betriebsräten, Personalräten und Mitarbeitervertretungen auch bei den Themen KI beratend zur Seite.

    #06 Qualifizierung

    Qualifizierung ist der Schlüssel für DAS GUTE MORGEN, wenn:

    • es eine lebensbegleitende und systematische Weiterbildung und Qualifizierung gibt und die Beschäftigten von heute noch die Arbeit von morgen machen können.
    • es neben lernförderlichen Arbeitsstrukturen vor allem eine Kultur des lebensbegleitenden Lernens gibt.
    • es ein Recht auf Weiterbildung gibt, inklusive einer bedarfsgerechten Finanzierung, damit sich Beschäftigte weiterbilden oder fehlende Berufsabschlüsse nachholen können.
    • Betriebsräte ein echtes Mitbestimmungsrecht bei der Qualifizierung im Betrieb bekommen.

    Unter Federführung der Arbeitskammer des Saarlandes ging im Mai 2021 das »Weiterbildungsportal Saarland« an den Start.

    Das Portal bietet eine zentrale Anlaufstelle sowohl für Weiterbildungssuchende als auch für Personalverantwortliche in Unternehmen und Bildungseinrichtungen mit Überlick über regionale Kurs- und Seminarangebote im Saarland.

    Mehr zum »Weiterbildungsportal Saaland«
    Mehr zum »Weiterbildungsverbund Saaland«

    #07 Berufsbildung

    DAS GUTE MORGEN ist berufsbildend

    • weil eine Ausbildung zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt und die gesellschaftliche Teilhabe der Menschen ermöglicht.
    • weil eine Ausbildung die Beschäftigungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sichert.
    • wenn alle jungen Menschen nach Beendigung ihrer Schulzeit ein Recht auf einen Ausbildungsplatz mit einem anerkannten Berufsbildungsabschluss erhalten.
    • wenn sich Unternehmen weiterhin in ausreichender Zahl sowie mit einer entsprechenden Attraktivität an der Ausbildung beteiligen.

    Jedes Jahr im Herbst veröffentlicht der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) seinen Ausbildungsreport. Die Ausbildungsqualität haben diejenigen bewertet, die am besten wissen, unter welchen Umständen sie tagtäglich lernen und arbeiten - die Auszubildenden selbst. Um zu erfahren, wie lange sie täglich arbeiten, was sie dabei lernen und ob sie dabei gut betreut werden, befragt die DGB-Jugend jedes Jahr mehrere Tausend Auszubildende in den laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 25 meistgewählten Ausbildungsberufen beteiligt.

    Zur Übersicht DGB-Ausbildungsreport
    DGB Ausbildungsreport Saarland 2020 (PDF)



    Dass mit 67,8 Prozent die große Mehrzahl der jungen Menschen im Saarland die Qualität ihrer Ausbildung als gut oder sehr gut beurteilt, ist sehr erfreulich. Wie der Report 2020 allerdings auch zeigt, gibt es weiterhin viele Probleme und Mängel bei der Ausbildungsqualität. Überstunden, fehlende Ausbildungspläne, ausbildungsfremde Tätigkeiten, fehlende Betreuung durch Ausbilderinnen und Ausbilder sowie das Ausbleiben einer Übernahmezusage bestimmen dabei den Alltag vieler Azubis und offenbaren Verbesserungspotential. Unsere Forderung deshalb: Wenn die Attraktivität der dualen Berufsausbildung verbessert und damit der qualifizierte Fachkräftebedarf gesichert werden soll, muss die Qualität der Ausbildung in den Betrieben beziehungsweise Branchen gesichert werden. Insbesondere sind hier auch die Behörden und Kammern gefordert, ihrem Kontroll- und Schutzauftrag im Sinne der Auszubildenden nachzukommen.

    Neben der Ausbildungsqualität stellt für viele junge Menschen auch die in den letzten Jahren stark zurückgegangene Ausbildungsbereitschaft saarländischer Unternehmen ein grundsätzliches Problem dar. Eine Entwicklung, die sich durch die Corona-Pandemie noch verstärkt hat. So ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2020 um 14,1 Prozent deutlich gesunken. Unternehmen müssen mehr in Quantität und Qualität der Ausbildung investieren, um sich die Fachkräfte von morgen zu sichern.


    Auch beim Internationaler Jugendkammertag der vier Arbeitskammern Österreich, Luxemburg, Bremen und Saarland setzten sich die zuständigen Jugendreferenten regelmäßig mit der aktuellen Lage junger Menschen auf dem Ausbildungsmarkt auseinander.

    Gemeinsame Presseerklärung von Arbeitskammer des Saarlandes, Chambre des salariés de Luxembourg und AK Österreich

    Die Arbeitswelt braucht gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte, um die Herausforderungen der ökologischen und digitalen Transformation meistern zu können. Darüber hinaus braucht es für junge Menschen auch bessere berufliche Perspektiven und eine deutliche Aufwertung und Wertschätzung vieler Ausbildungsberufe. Die geplante Ausbildungsplatzgarantie sowie die Stärkung und Modernisierung der Berufsschulen sind dabei wichtige Signale der Ampelregierung im Bund.

    Geplant ist auch der flächendeckende Ausbau der Berufsorientierung und der Jugendberufsagentur. Das sind ebenfalls gute Instrumente, um junge Menschen in eine richtige Ausbildung zu bringen. Genauso wie eine vermehrte Verbundausbildung.

    Trotz unbesetzter Ausbildungsstellen haben es viele, vor allem leistungsschwächere Jugendliche schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden bzw. diesen erfolgreich zu meistern. Der vom Bund geplante Ausbau der Einstiegsqualifizierung, der assistierten Ausbildung und der ausbildungsbegleitenden Hilfen sind deshalb richtige und notwendige Maßnahmen.


    #08 Gleichstellung

    DAS GUTE MORGEN ist gleichgestellt

    • weil gleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen notwendig ist, um eine eigenständige Existenzsicherung für alle zu erreichen.
    • weil es selbstverständlich sein muss, dass Frauen überall in Führungspositionen gelangen.
    • weil die Themen Familie und Erwerbsarbeit zusammengehören und dies für beide Geschlechter Auswirkungen hat.
    Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, dass es vor allem Frauen waren, die in den Bereichen Gesundheitswesen, Einzelhandel und im Reinigungsgewerbe bei hohem gesundheitlichem Risiko noch mehr beansprucht waren als bisher. Hinzu kam der private Bereich, in dem es durch Homeschooling der Kinder und Homeoffice der Eltern zu einer weiteren Verschiebung der Sorgearbeiten hin zu den Frauen kam. Jetzt am (vorläufigen) Ende der Corona-Einschränkungen zeigt sich mehr denn je ein Fachkräftemangel – nicht zuletzt in den erwähnten Bereichen.

    Wir müssen mit geeigneten Maßnahmen für mehr Gleichstellung dafür sorgen, dass Frauen jetzt und zukünftig in gleichem Maße am Erwerbsleben teilnehmen können!  

    #09 Europa

    DAS GUTE MORGEN ist europäisch

    • weil gleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen notwendig ist, um eine eigenständige Existenzsicherung für alle zu erreichen.
    • weil es selbstverständlich sein muss, dass Frauen überall in Führungspositionen gelangen.
    • weil die Themen Familie und Erwerbsarbeit zusammengehören und dies für beide Geschlechter Auswirkungen hat.
    Europa ist gerade für uns Saarländerinnen und Saarländer seit vielen Jahren alltäglich. Die Vorzüge einer einheitlichen Währung und der Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt erleben viele von uns fast jeden Tag. Was für uns längst selbstverständlich ist, wird von rechten Strömungen in Europa massiv torpediert. Wir stehen für ein solidarisches Europa. Ein Europa der offenen Grenzen und sozialen Gerechtigkeit. Die Errungenschaften der Europäischen Union sind in der Tat oft nicht greifbar. Die Debatte um krumme Gurken und mangelnde Mitbestimmungsmöglichkeiten überschatten in der öffentlichen Wahrnehmung häufig die Vorzüge. Zähe Abstimmungsprozesse, neoliberale Kürzungspolitik und hohe bürokratische Hürden machen es nicht einfach, die Akzeptanz europäischer Politik zu steigern.

    Mit ihren 17 Thesen zeigt die Arbeitskammer des Saarlandes deshalb auf, warum Europa vor allem für die Menschen in der Großregion so wichtig ist und warum es sich lohnt, sich für ein solidarisches Europa einzusetzen:

    1. Als Europäerinnen und Europäer haben wir die Freiheit, ohne Grenzen und damit auch ohne Kontrollen in andere EU-Länder zu reisen und dort zu arbeiten.
    2. Die EU kümmert sich mit Transferzahlungen um strukturschwache Regionen. Es fließt Geld etwa in konkrete Infrastrukturprojekte. Von diesen Mitteln profitiert auch das Saarland, u.a. im Tourismus.
    3. Der europäische Binnenmarkt ist wichtig für die exportorientierte saarländische Industrie und ihre Produkte. Er sichert Arbeitsplätze.
    4. Der Euro als gemeinsames Zahlungsmittel macht uns den Alltag als Europäerinnen und Europäer einfacher.
    5. Ein starkes Europa erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der EU und der Mitgliedstaaten gegenüber anderen großen Wirtschaftsblöcken wie etwa USA und China.
    6. Offene Grenzen erhöhen die Chancen für viele tausend Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Gute Arbeit zu finden. Die EU entwickelt soziale Mindeststandards für den riesigen Arbeitsmarkt Europa.
    7. Mit dem Europäischen Sozialfonds (ESF) unterstützt die EU eine aktive Arbeitsmarktpolitik in den Regionen. Davon profitieren wir hier im Saarland ganz konkret.
    8. Die EU-Maßnahmen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention sorgen dafür, dass Barrieren europaweit abgebaut werden.
    9. Europa ist der Motor für mehr Klimaschutz – nationale Alleingänge haben im globalen Wettbewerb keine Chance.
    10. Eine verbindliche Europäische Umweltpolitik hilft, Natur, Umwelt und Tierwelt zu schützen.
    11. Mobilität ohne Grenzen. Dank der europäischen Integration werden wichtige Lücken im Schienennetz an den Grenzen geschlossen.
    12. Die Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Berufsausbildung erhöhen die internationalen Berufschancen.
    13. Schüleraustausche, die Möglichkeit doppelter Schulabschlüsse sowie Erasmusprogramme fördern die europäische Identität.
    14. Der Zusammenschluss der Hochschulen in der Großregion bietet Studierenden die Möglichkeit, sich multinational auf die Herausforderungen des Arbeitslebens in Europa vorzubereiten.
    15. Kultur verbindet. Die EU fördert nicht nur in den Mitgliedstaaten das kulturelle Leben, sondern insbesondere grenzüberschreitende, kooperative Projekte.
    16. Gleichstellungspolitik: Die EU ist mit ihren Leitlinien und Rechtsvorschriften zur Gleichstellung der Geschlechter starker Motor für die nationale Gleichstellungspolitik.
    17. Friedenspolitik: Die EU trägt mit ihren Institutionen zur friedlichen Beilegung von Konflikten in Europa bei.

    #10 Demokratie

    DAS GUTE MORGEN ist demokratisch

    • weil bei einer Wahlbeteiligung von über 72% Betriebsratswahlen gelebte Demokratie sind.
    • weil in einer offenen Gesellschaft nur ein respektvolles Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Lebenslagen, Herkunft, Kultur und Religion die Zukunft sein kann.
    • weil gesellschaftliche Akteure mit wirksamen Strategien gegen Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, Sexismus und Homosexuellenfeindlichkeit antidemokratischen Tendenzen vorbeugen und entgegentreten und sich so auch gegen die Abwertung von Menschen mit Behinderung und sozial benachteiligten Gruppen einsetzen.
    Im Frühjahr 2022 fanden im Saarland Betriebsratswahlen statt. Mit einer weiterhin stabilen Wahlbeteiligung von 72 % trotz erschwerter Bedingungen durch die Corona-Pandemie zeigt sich der starke Wunsch nach Mitbestimmung und demokratischen Prozessen am Arbeitsplatz. Es braucht aber noch mehr Betriebe mit Betriebsräten. Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Höhere Löhne, faire Arbeitsbedingungen und mehr Innovation: Die betriebliche Mitbestimmung ist für alle Beschäftigten ein Gewinn.

    Mitbestimmung steht für Gute Arbeit, für die sich die Arbeitskammer gemeinsam mit den Gewerkschaften immer wieder stark macht. Sie braucht engagierte Beschäftigte, die sich für die Interessen ihrer Kolleginnen und Kollegen und für gute und sichere Arbeitsplätze in ihrem Unternehmen stark machen. Mitbestimmung durch Betriebsräte stärkt die Unternehmen und sorgt für gute Beschäftigung. Gerade jetzt im Strukturwandel mit seinen Herausforderungen zur Dekarbonisierung, Digitalisierung und Demografie ist es umso wichtiger, dass die Beschäftigten eine starke Stimme haben und ihre Geschicke mitlenken können.

    Mehr zu »Mitbestimmung«
    Mehr zu »Betriebsratswahl« (DGB)
    BR-Wahlen 2022 – Gesamtauswertung

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